Essstörungen – Magersucht und Bulimie

Du hast eine Essstörung? Du weißt nicht, an wen du dich wenden sollst? Du fühlst dich alleingelassen?

Information

Magersucht (Anorexia nervosa) ist eine krankhafte Essstörung. Sie ist gekennzeichnet durch einen starken, selbst verursachten Gewichtsverlust und durch große Angst vor einer Gewichtszunahme.

Bulimie (Bulimia nervosa) oder auch Ess-Brechsucht ist ebenfalls eine krankhafte Essstörung. Bulimie-Betroffene sind meist normalgewichtig oder auch unter- oder übergewichtig. Sie werden von regelmäßigen Heißhungerattacken heimgesucht: Erkrankte Mädchen wollen ihr Gewicht besonders durch Erbrechen, aber auch durch Hungern, Diäten, ausgiebigen Sport oder Missbrauch von Abführ- oder Brechmitteln „kontrollieren“.

Mehr als eine Million junge Mädchen und Frauen in Deutschland leiden unter den Symptomen einer Essstörung (Symptom-Liste siehe unten). Betroffen sind junge Frauen und Mädchen (und immer öfter auch Männer) in der Altersspanne zwischen 12 und 35 Jahren.

Mädchen, die an Magersucht leiden, nehmen sich trotz Untergewichts als zu dick wahr und nehmen unter jedem Umstand an Körpergewicht ab. Ihr Selbstwertgefühl hängt nicht nur von Leistungen zum Beispiel im Bereich Ausbildung/ Beruf, Hobby oder Privatleben, sondern sehr stark von der Fähigkeit ab, das Körpergewicht kontrollieren zu können. Die Erkrankung kann nur selten durch eine kurze Behandlung geheilt werden und benötigt unbedingt professionelle Hilfe.

Magersucht zählt zu den psychischen Krankheiten mit der höchsten Sterberate: Etwa 15 Prozent der erkrankten Personen sterben daran. Warum das so ist und was bei Magersucht, also extremen Untergewicht, mit einem Körper passiert, kannst du hier in einer einfachen Zusammenfassung lesen:

Zu der Entstehung der Krankheit gibt es verschiedene Erklärungsversuche. Auffallend ist aber, dass Magersucht und Bulimie besonders bei Frauen in westlichen Gesellschaften auftritt. Sicherlich liegt es mitunter daran, dass das Schönheitsideal für Frauen sich in den letzten Jahrzehnten in den westlichen Industrienationen immer extremer von schlank zu noch schlanker bis dünn und dürr entwickelte – und noch immer entwickelt!

Dieses Schönheitsideal wird ganz besonders durch die Massenmedien produziert. In der Werbung sehen wir tagtäglich Schlankheit und perfektes Aussehen. Es vermittelt den Eindruck, als ob Aussehen der „Schlüssel“ zu beruflichem und sozialem Erfolg sei! So kommt es, dass Essstörungen meistens bloß mit einer harmlosen Diät anfangen.

Magersucht ist so gut wie immer nur ein Symptom eines tiefer liegenden psychischen (und sozialen) Problems, welches unbedingt  behandelt werden muss: Psychische Traumatisierungen, wie sexueller Missbrauch zum Beispiel sind in den Lebensläufen der Anorexiepatienten oft zu finden. Ebenso ein schwaches Selbstbewusstsein und Perfektionismus lassen sich bei den erkrankten Mädchen oft untersuchen.

Aber auch das direkte „normale“ Umfeld wie die Familie kann ausschlaggebend sein: In Familien mit emotionaler Kälte, geringer persönlicher Zuneigung und hohen Erwartungen – es herrscht zwar ein Streben nach Harmonie in der Familie und besonders nach außen hin, doch ernsthafte Auseinandersetzungen in Konflikten oder mit Wut, Angst und so weiter, finden nicht statt.

Merkmale gestörten Essverhaltens

Schau einmal, ob diese Punkte auf dich zutreffen könnten:

  • Überspringst du Mahlzeiten häufig?
  • Isst du nur kleinste Portionen?
  • Willst  du gar nicht mit anderen zusammen essen?
  • Machst du aus jedem Essen ein richtiges Ritual?
  • „Studierst“ du Essen vorher nach Fett- und Kaloriengehalt?
  • Oder achtest du immer darauf, genug Essen im Haus zu haben – übergibst du dich dann, wenn du deiner Meinung nach zu viel davon gegessen hast?
  • Benutzt du Abführmittel oder Entwässerungsmittel, um Gewicht zu verlieren?
  • Rauchst du oder treibst du enorm viel Sport, nur um dich vom Hungergefühl abzulenken?
  • Verbringst du viel Zeit damit, deine „Problemzonen“ im Spiegel zu betrachten?
  • Glaubst du, fett zu sein, obwohl dich immer wieder Leute darauf ansprechen, wie dünn du geworden bist?

Sollte einer oder gleich mehrere dieser Punkte auf dich zutreffen, so empfehlen wir dir, Kontakt mit uns aufzunehmen.

Wer sind Ana und Mia?

Pro-Ana (für Anorexia nervosa, also Magersucht) und Pro-Mia (Bulimia nervosa: Ess-Brechsucht) sind Bewegungen von Mager- und  Ess-Brechsüchtigen im Internet. Sie entstanden ursprünglich am Anfang des 21. Jahrhunderts in den USA und breiteten sich so auch nach Europa aus.

Mittlerweile glaubt man, dass es allein in Deutschland mehrere hundert dieser Pro-Ana Internetseiten im Web gibt. Dort versuchen Mädchen sich gegenseitig zum Abnehmen anzuspornen, bestärken sich in ihrem krankhaften Essverhalten und tauschen Tipps aus, wie man besonders schnell, besonders viel Gewicht verlieren kann, wie man lästige Gewichtskontrollen beim Arzt manipuliert, oder verabreden sich virtuell zu Fastenwochen.

Sie personifizieren Magersucht durch den mädchenhaften Namen Ana – der da ganze möglichst harmlos aussehen lässt. An „Ana“ oder „Mia“ können die Mädchen Briefe schreiben und bauen nach einiger Zeit ein gefährliches „Wir-Gefühl“ auf. Es werden Fotos von besonders dünnen Mädchen mit eingefallenen Gesichtszügen, hervorstehenden Wangenknochen und riesigen Augen in die Internetforen gestellt und mit Ana bezeichnet. Viele Seiten haben sogar feste „Gesetze“, „Gebote“ oder gar „Glaubensbekenntnisse“ oder „Psalme“, die von den Mädchen eingehalten werden müssen. Es werden Abnehm-Wettbewerbe oder Motivationsverträge gemacht und die Mädchen mit allen Mitteln vom Hungergefühl abgelenkt.

Hilfe und Beratung

Hier im Ophelia Langenhagen e. V. haben wir Erfahrungen mit dem Umgang von Mädchen, die an einer Essstörung leiden. Wir stehen dir jeder Zeit gerne für Fragen zur Verfügung. Du kannst gerne einen Beratungstermin mit uns vereinbaren. Wenn du magst, kannst du anonym bleiben. Die Beratung ist kostenlos und professionell.

Weitere Informationen über das Thema findest du unter: www.cinderella-rat-bei-essstoerungen.de

(la)

Du kannst dich beraten lassen

Wir helfen dir gerne und professionell! Du bist in deiner Situation nicht alleine – viele Mädchen erfahren dasselbe und nehmen unsere Hilfe in Anspruch.

Du kannst uns anrufen und mit uns sprechen – anonym oder unter deinem Namen. Du kannst einen Termin mit uns ausmachen, allein oder vielleicht mit einer besten Freundin, ohne dass jemand davon erfährt.

Ophelia Langenhagen e. V.
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E-Mail: info@ophelia-langenhagen.de