Digitale Medien – Tatort Internet

Wer hat kein Handy oder keinen PC mit Internetzugang? Fast niemand mehr. Digitale Medien wie PC, Smartphone oder Internet sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wir benutzen sie für private und berufliche Zwecke, das Internet ist inzwischen Teil des Alltags von Jung und Alt. Aber genau dort lauern auch Gefahren, besonders durch die Unbefangenheit bzw. die Unwissenheit der jungen User und Userinnen. Dies macht sie gerade in diesen virtuellen Räumen anfällig für unangenehme Erfahrungen.

Ich möchte euch im folgenden Text über verschiedene Themen aufklären, über Probleme, die in der digitalen Welt auftauchen und die immer präsenter werden –  und euch somit verdeutlichen, wie wichtig es ist, die eigene Identität zu schützen und sich nicht vollkommen preiszugeben.

Ihr findet Informationen zu folgenden Themen

Kommunikationsforen im Internet wie Online-Foren (SchülerVZ, Facebook), Chatrooms (Knuddels) oder Video-Portale (Youtube, clipfish) sind spannende Orte für die Suche nach neuen Freunden, der großen Liebe oder zum Austausch mit Freunden. Aber genau diese „geschützten“ Räume bieten neue Tatorte für (sexuelle) Gewalt oder Grooming.

Die hohe Anzahl anonymer, virtueller Treffpunkte und das Fehlen von wirksamen Kontrollmechanismen macht es u.a. pädophilen Täter/innen leicht, an ihre Opfer zu gelangen. Sexuelle Übergriffe werden allerdings auch von Jugendlichen auf gleichaltrige oder auch jüngere Chatter/innen ausgeübt.

Da nur über die Tastatur miteinander kommuniziert werden kann, handelt es sich im Internet um eine Interaktion ohne körperliche Anwesenheit – auch eine Webcam garantiert nicht das Erkennen der wahren Person!

Für die Täter hat das Vorteile:

  • Es ist relativ leicht, an die Opfer zu gelangen, da die Täter nicht aus dem Haus müssen, sondern nur vor dem PC sitzen.
  • Jeder User/in kann seine/ihre wahre Identität verbergen und sich ein „fake“-Profil erstellen, z.B. ein anderes
    Geschlecht auswählen, sich jünger oder älter oder auch attraktiver darstellen.
  • Die Hemmschwellen, Übergriffe auszuüben, sind geringer als in einer „face-to-face“ Situation.
  • Die hohe Anonymität führt dazu, dass der/die Täter/in meist nur schwer identifiziert werden kann, z.B. wenn er/sie den PC einer anderen Person benutzt.

Was sind sexuelle Übergriffe?

Unter diesem Begriff kann die unerwünschte Kommunikation über verschiedene sexuelle Themen (Gespräche über das eigene Sexualleben, sexuelle Erfahrungen oder über das Aussehen des eigenen Körpers) verstanden werden.

Das Verschicken von pornografischem Material (z. B. Fotos nackter Personen, Comics oder Pornofilme) sowie die Aufforderung zu sexuellen Handlungen vor der Webcam (z. B. Aufforderung, seine Geschlechtsteile zu berühren oder sich selbst zu befriedigen) gehören dazu.

Was ist Grooming?

Grooming ist der Aufbau von Vertrauen über eine längere Kommunikation (meist mehrere Wochen). Es dient zur Anbahnung realer Treffen mit dem Ziel sexueller Übergriffe.

Der/die Täter/in zeigt reges Interesse an den Problemen, den Wünschen und Träumen der meist minderjährigen Person. Dabei werden Handynummern, Fotos (z.T. auch Nacktfotos) ausgetauscht. Dies muss aber nicht bedeuten, dass die „wahre“ Person sich zu erkennen gibt, sondern es kann sich auch um einen „Lockvogel“ handeln, also eine Person, die nur die Kontakte zu den Mädchen oder Jungen herstellt.

Zu einem späteren Zeitpunkt werden dann Treffen an einem realen Ort vereinbart – meist ohne das Wissen von Eltern oder Freunden. Dies muss nicht immer „schlimm“ enden, aber das Risiko von Übergriffen ist extrem hoch.

Wer sind die Opfer?

Mädchen sind insgesamt häufiger von sexuellen Übergriffen in Internet betroffen als Jungen. Die Wahrscheinlichkeit, in einem Chatroom zu sexuellen Handlungen aufgefordert zu werden oder pornografische Filme oder Fotos zu erhalten, ist für ein 10-jähriges Mädchen genauso hoch wie für eine 18-Jährige.

Aus diesem Grund ist es wichtig, schon frühzeitig über diese Thematik aufgeklärt zu werden, um zu wissen, dass dies nicht rechtens ist und dagegen vorgegangen werden kann.

Wer sind die Täter?

Aufgrund der hohen Anonymität und der Möglichkeit, die echte Persönlichkeit falsch darzustellen (Aussehen, Alter, Geschlecht), ist es schwer, die Täter/innen zu identifizieren.

Dennoch zeigen Untersuchungen, dass die Übergriffe im Internet auf Minderjährige meist von Erwachsenen durchgeführt werden. Die Täter/innen können bei den Mädchen aus dem persönlichen Umfeld stammen, z. B. aus dem Familien- und Bekanntenkreis. Auch der Anteil der minderjährigen Täter/innen ist erheblich (ca. 20%).

Der Großteil der Täter/innen im Internet sind Fremde, zu denen der Kontakt erst durch die Kommunikationsforen entstanden ist. Die Kontaktaufnahme zu möglichen Opfern ist über das Internet wie gesagt viel leichter als im realen Umfeld.

Rechtslage

Sexuelle Übergriffe im Internet sind strafbar! Erhalten minderjährige Mädchen z. B. Fotos von Geschlechtsteilen, pornografisches Material etc., dann sind dies Straftaten nach § 131 Strafgesetzbuch (StGB) und § 184 StGB.

Privatfotos von Mädchen im Bikini werden arglos an andere Chatter geschickt und hinsichtlich pornografischer Details verändert, z.B. der Kopf  wird ausgeschnitten und in ein pornografisches Foto eingefügt. Werden diese gefälschten Fotos über das Internet weiter verbreitet, stellt dies eine Straftat nach § 201a Abs. 1-3 StGB dar.

Wie kann ich mich schützen?

Mädchen und Jungen ist oft nicht bewusst, dass nicht nur enge Freunde ihre Informationen (Fotos, Videos, Pinnwand-Einträge) in den unterschiedlichen Kommunikationsforen lesen können. Sie fühlen sich in einem geschützten Raum, da sie nicht sehen können, wer auf die einzelnen Seiten zugreift und „mitliest“ oder sich Fotos „anguckt“.

„Ein Mädchen liegt im Bikini am Pool. Sie merkt, wie jemand sie durch ein Loch in der Hecke beobachtet und findet das unangenehm. Also geht sie rein und zieht sich ein T-Shirt an.“ (www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,531569,00.html)

Wenn du ein Foto oder ein Video hochgeladen hast, kannst du das Loch in der Hecke und den Beobachter dahinter nicht sehen. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, die möglichen Privatsphäre-Einstellungen zu nutzen und das Profil für Fremde zu „sperren“, um sich vor einem fremden Zugriff darauf zu schützen. Wichtige persönliche Informationen oder auch Verabredungen – wann und wo – sollten nicht über Pinnwände veröffentlicht werden. Es sollten nur Inhalte hochgeladen werden, die jeder/jede unbedenklich sehen darf (Oma, Lehrer, Bekannte, aber auch Fremde).

Wichtig ist: Das Internet vergisst nichts, viele Dinge kann man auch nach Jahren noch finden.

Wenn man doch jemanden im Internet kennengelernt hat und sich mit dieser Person treffen möchte, dann sollten die Eltern und/oder Freunde informiert werden über Treffpunkt und Uhrzeit. Das Treffen sollte auf einem belebten Platz stattfinden (auf keinen Fall in einer fremden Wohnung oder auf einem verlassenen Platz), da bei Notfällen immer noch Ansprechpartner vor Ort sind!

Cyber-Mobbing – Was ist das?

Cyber- Mobbing wird auch als „Cyberbullying“ bezeichnet und ist das bewusste Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen anderer mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel – meist über einen längeren Zeitraum. Cyber-Mobbing findet im Internet oder per Handy (z.B. durch SMS oder diverse Anrufe) statt. Oft handelt die Tatperson, die man „Bully“ nennt, anonym, so dass das Opfer (zuerst) nicht weiß, von wem die Angriffe stammen.

Bei Cyber-Mobbing unter Kindern und Jugendlichen kennen sich Opfer und Täter/innen auch in der „realen“ Welt. Die Opfer haben fast immer einen Verdacht, wer hinter den Attacken stecken könnte. In der Regel geht Cyber-Mobbing von Personen aus dem eigenen nahen sozialen Umfeld aus – der Schule oder dem Wohnviertel. Fälle, in die hauptsächlich Fremde involviert sind, sind eher wenig verbreitet.

Die große Gefahr am Cybermobbing besteht darin, dass die räumliche Begrenzung fehlt und das Internet ein weltweites Netz mit einem riesigen Publikum ist. Aufgrund dieser Tatsachen kann das Cyber-Mobbing eine bedrohliche Dimension annehmen. Das bedeutet, falsche Informationen können sich „lawinenartig“ verbreiten und lösen eine Kettenreaktion aus.

Beispiel: Ein/e User/in hackt sich in ein fremdes Profil ein und schreibt an „Freunde“ beleidigende Nachrichten. Nun muss sich der/die Inhaber/in des Profils vor den Freunden rechtfertigen, warum er/sie so etwas schreibt und die Konsequenzen (z.B. Kündigung der Freundschaft) dafür tragen.

Auch hier genießen die Täter im Internet Anonymität und haben bei ihrem Vorgehen meist eine sehr niedrige Hemmschwelle. Sie handeln skrupelloser und enthemmter, da sie ihren Opfern nicht direkt gegenüberstehen und daher deren Reaktionen auf die verletzenden Taten nicht unmittelbar mitbekommen.

Cybermobbing kann erfolgen durch:

  • Gründung von Hass-Gruppen in Netzwerken gegen das Opfer
  • Beleidigende und terrorisierende Nachrichten oder Pinnwand-Einträge, die für jeden sichtbar sind
  • Identitätsklau: Täter/in legt ein Profil im Namen und mit den Daten des Opfers an und verbreitet dann Lügen, Gerüchte etc.
  • Veröffentlichung von peinlichen und gefälschten Bildern oder Videos

Die Opfer des Cyber-Mobbings fühlen meist eine große Ohnmacht und Hilflosigkeit, da sie nicht wissen, wie sie dagegen angehen können und möglicherweise selber als „Lügner/in“ da stehen.

Gegen Cyber-Mobbing vorgehen

Als erstes sollten die Beweise gesichert werden, da Cybermobbing gegen die Persönlichkeitsrechte und gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verstößt und somit eine Straftat darstellt. Nach § 185 und 186 StGB ist der Tatbestand der Beleidigung und üblen Nachrede strafbar. Strafmündig ist man in Deutschland ab dem 14. Lebensjahr und kann somit zur Verantwortung gezogen werden.

Wenn man nicht gleich mit einer Anzeige gegen die Mobber/innen vorgehen möchte, sollte der erste Schritt sein, die Mobber/innen auf die Ignorier-Liste zu setzen und sie aufzufordern, die Aktivitäten zu unterlassen und die Inhalte zu entfernen. Des Weiteren sollte der Betreiber des Netzwerkes informiert und die Mobber/innen gemeldet werden (unter „Datenschutz“ zu finden).

Um Hilfe zu bitten und sich so anderen anzuvertrauen, hat nichts mit (Ver)Petzen zu tun, denn wer wegsieht und nicht hilft, macht mit! Dennoch: Einen 100%igen Schutz gegen Cyber-Mobbing gibt es nicht. Es ist darauf zu achten, so wenig Persönliches wie möglich von sich Preis zugeben, um so nur wenig Angriffspunkte zu bieten.

(jh)

Weitere Informationen über das Thema findest du unter:

Was ist Sexting?

Der Ausdruck Sexting setzt sich aus den beiden englischen Wörtern sex und texting zusammen und bezeichnet den Austausch selbst produzierter, intimer Fotos von sich oder anderen via Internet oder Mobiltelefon.

Häufig geraten Mädchen in die „Sexting-Falle“. Ein intimes Foto ist mit dem Smartphone schnell gemacht und wird beispielsweise an den Freund verschickt. Dies stellt im Grunde noch kein Problem dar. Es kann aber zum Problem werden, wenn der Empfänger das Foto nicht für sich behält, sondern an Außenstehende weiterleitet. Ist ein solches Bild erst einmal in der Öffentlichkeit unterwegs, ist die Verbreitung kaum noch aufzuhalten.

Manche Jungs haben mehrere Nacktfotos von Mädchen auf ihrem Smartphone – und die werden dann weitergeleitet und landen auch auf Internet-Portalen wie Facebook. Vielen Mädchen ist zunächst gar nicht bewusst was mit ihrem Nacktfoto passiert. Wenn sie davon erfahren, haben meistens schon viele Personen das Foto erhalten und weitergeleitet. Häufig trauen Betroffene sich aus Scham nicht mehr in die Schule oder werden von MitschülerInnen gemobbt. Eltern und Lehrer sind oft mit dem Problem überfordert, manchmal wissen sie auch gar nichts davon.

Wie kann ich mich schützen?

Eine Schweizer Jugendschutzorganisation, „Pro Juventute“, hat sich des Themas schon angenommen und eine Kampagne mit Plakaten, Videos und Merkblättern gestartet, die über Handlungsmöglichkeiten aufklären: Merkblatt für Kinder und Jugendliche zum Thema Sexting: https://www.projuventute.ch/fileadmin/kundendaten/angebote/
medienprofis/downloads/de/ Medienprofis_Merkblatt_Sexting_Kinder_und_Jugendliche_DT.pdf

Wenn du möchtest, kannst du dich an uns wenden. Wir hören dir zu und unterstützen dich.

Du kannst dich beraten lassen

Wir helfen dir gerne und professionell! Du bist in deiner Situation nicht alleine – viele Mädchen erfahren dasselbe und nehmen unsere Hilfe in Anspruch.

Du kannst uns anrufen und mit uns sprechen – anonym oder unter deinem Namen. Du kannst einen Termin mit uns ausmachen, allein oder vielleicht mit einer besten Freundin, ohne dass jemand davon erfährt.

Ophelia Langenhagen e. V.
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